Freitag, 23. März 2012

98 - Bangen

Mit aufgerissenen Augen starrte ich in die Gesichter der anderen Personen, dann zu dem Fleck, auf den alle Blicke gerichtet waren. Meine Hand umfasste den Griff des Messers und mein Atem wurde langsamer. 'Lass es nicht so enden...' Langsam glitt ich die Wand hinunter, bis ich nichts mehr wahrnehmen konnte...

Ich konnte Schritte hören. Viele Schritte, die hektisch hin und her rannten. Stimmen. Sie riefen sich Anweisungen zu. Aber was genau, wusste ich nicht. Das grelle Licht brannte durch meine Augenlider. Dann war noch dieser Geruch. Medizinischer Geruch, oder besser gesagt: der Geruch von kranken Leuten. Jetzt spürte ich kalte Hände an meinem Kopf, die ihn hochhoben. Mir wurde etwas um die Nase und dem Mundbereich gelegt. Schon strömte ein komischer Kaugummigeruch durch meine Atemwege. 'Piepsen. Dieses Piepsen nervt! Stellt es ab!' Ich wollte meinen Körper bewegen, doch gleich spürte ich den schmerzhaften Stich an meinem Bauch. 'Macht, dass es aufhört! Es tut so weh!' Jede einzelne Bewegung verursachte ein Ziehen am Mutterleib. Ein Stich an meiner Hand. Sie pumpten mir eine Flüssigkeit in die Ader. 'Au! Es tut weh!' Mir war es zum Weinen zumute. Es drehte sich auf einmal alles. 'Was passiert mit mir?!'


Bastis Sicht:

Die weißen Wände um mich herum machten mich Wahnsinnig! Sams Mutter und ich warteten bereits seit drei Stunden. Ihr flossen die Tränen über die Wangen. Auch Eric war hier, jedoch stand er mehrere Meter abseits von uns. Hände in seine Hosentasche vergraben und starren Blick auf den Boden.
Tick – Tack – Tick – Tack – Tick – Tack …
Es war totenstill. Nur das Ticken der Uhr konnte ich hören – und die hing schon zehn Meter von mir entfernt. 'Was würde ich machen, wenn sie … Halt! Soweit darf ich nicht einmal denken!' Wütend stand ich auf, lief einige Schritte hin und her. 'Und ich Vollidiot wollte die Tür aufbrechen, jetzt weiß ich, was ich davon habe! Das ist alles nur meine Schuld!'
„Ah!“, schrie ich laut auf und boxte gegen die Wand, die ich dann langsam hinunter glitt. 'Wieso war ich nur so dumm?' Mein Körper war taub. Ich saß da wie ein kleines Elend. Ich wollte nicht wissen, wie ich jetzt aussah. Mit meiner Handfläche wischte ich mein Gesicht trocken. 'Bitte Sam, halte durch! Ich liebe dich... Es tut mir so leid!' Es vergingen weitere zwei Stunden, oder doch drei? Ich sah schnell hoch zur Uhr. 'Doch nur zwanzig Minuten...' Ich rappelte mich wieder auf, auch wenn ich keinerlei Kraft in meinen Beinen, geschweige denn im ganzen Körper empfand. Schritt vor Schritt. Ich kam an dem Saal an, wo Sam hinein geliefert wurde. 'OP-Saal' stand groß darüber. Plötzlich wurde die Tür aufgeschoben. Eine junge Ärztin rannte in das gegenüberliegende Zimmer. Mit einem Defibrillator (http://realdoctorstu.files.wordpress.com/2011/01/defibrillator-paddles.gif) huschte sie allerdings wieder an mir vorbei. Die Tür ging langsam zu. Ich versuchte natürlich etwas zu erkennen. Das einzige was ich hörte, war ein durchgehendes Piepsen. 'Nein... Das darf nicht sein...!'


Sams Sicht:


„Macht dieses verdammte Licht aus!“ Ich hielt die Hand vor meinen Augen um nicht von den unbekannten Strahlen geblendet zu werden. 'Woher kam das Licht?' Überall wo ich hinsah, war es ziemlich grell. Ich erkannte nicht einmal, ob ich in einem Raum stand. Alles war in einer Ebene. Keine Wände, nichts! Nur das Weiße. 'Wo bin ich hier?' Gleichmäßige Schritte näherten mich. „Samantha, schön dich zu sehen! Nimm deine Hand runter, deine Augen haben sich schon daran gewöhnt.“ Ich kannte die Stimme nicht, dennoch war sie mir mehr als vertraut. Ein großer schlanker, dennoch muskulöser Mann stand vor mir. 'Er kommt mir ziemlich bekannt vor.' „W-Wo bin ich u-und wer sind Sie?“, fragte ich stotternd. Die weißen Zähne blitzten hinter seinen Lippen hervor, als er leicht lachte. So wie der ganze Raum, trug auch er einen weißen Anzug. Seine grünen Augen glichen die von meinen, auch die Haare hatten die selbe Farbe, wie die von mir. Dieser fremde Mann, den ich noch nie gesehen hatte und trotzdem diese Geborgenheit ausstrahlte, ging einige Schritte auf mich zu. Ich weichte nicht zurück. Ich hatte keine Angst vor ihm. Dann nahm er mich in den Arm. „Endlich kann ich dich spüren, worauf ich mich damals immer gefreut hatte. Mein eigenes Kind einmal bei mir zu haben...“ Ich hatte mich also doch nicht geirrt. „Dad...“, bekam ich nur flüsternd heraus, da sich Tränen in meinem Augen sammelten. Er antwortet nicht, sondern strich mir sanft über die Haare. „Wo bin ich eigentlich?“, ich sah ihn erwartungsvoll an, „B-Bin ich...?“ Mein Vater schüttelte mit seinem Kopf. „Aber wieso bin ich dann hier?“
„Ich wollte dir etwas erklären... Komm, wir laufen ein Stück!“ So folgte ich ihm eine Weile, bis er anfing zu reden.


Bastis Sicht:


Versteinert stand ich vor der Tür. Meine Augen weit aufgerissen. „Das kann nicht sein. Scheiße!“ Das letzte Wort schrie ich den langen Gang entlang. Ich konnte hier nicht mehr sein. Ich musste hier raus! Sofort! Panisch sah ich mich um. 'Wo ist hier der verdammte Ausgang? Wie sind wir hier überhaupt reingekommen?!“ In dem Moment wusste ich einfach nichts mehr. Ein großes Blackout fand in jeder einzelnen Zelle meines Gehirns statt. Ich konnte von Glück sprechen, dass ich wenigstens noch wusste, wie man läuft! Meine Schritte kamen an Eric und Sams Mutter vorbei. Sie sahen mich perplex an. Natürlich: Sie haben vorhin von nichts mitbekommen. Sie wussten nicht, dass sie vielleicht tot ist! Vor mir war ein eine Glastür. 'Da muss ich lang!' Doch als ich den ersten Schritt machen wollte, zog sich mein Herz zusammen. 'Was war das?' Ich hielt meine Hand auf meine linke Brust. Noch einmal setzte ich mein Vorhaben weiter, aber mit jedem weiteren Schritt tat es mehr weh. „Basti, geh nicht! Ich brauche dich!“
'Sam?! Wo bist du?' Keine Antwort. 'Sam?' „Bleib hier. Wenn du jetzt gehst, schaff ich das nicht...“ Ich hörte sie weinen. 'Ich bleibe hier, versprochen... Ich lasse dich nicht im Stich. Niemals!'


Sams Sicht:

„Also heißt es, du musstest damals von uns gehen?!“ Mein Körper zitterte. „Ich fand, es war die beste Entscheidung. Lieber gebe ich mein Leben her, anstatt das von dir und der Frau, die ich über alles liebe – deine Mutter. Ich hatte keine andere Wahl.“
„Weißt du, wie oft sie wegen dir noch weint?! Jeden Abend höre ich im Nebenzimmer sie Schluchzen!“ Jetzt liefen mir wieder die Tränen. „Mach mir bitte keine Vorwürfe...“ Ich legte meinen Kopf in den Nacken. „Mache ich doch gar nicht! Ich kann es nur nicht ertragen...“
„Aber bitte, du musst es verstehen! Ich wollte nicht, dass ihr und dir etwas zugestoßen wäre. Ich hätte natürlich mit ihr noch viele weitere Jahre erleben wollen, dich großziehen, euch trösten wollen, wenn es euch schlecht ging.“ - „Ich glaube dir, Dad.“  - „Danke!“
Wieder lagen wir uns in den Armen. Es war toll, seinen Vater vor einem stehen zu haben. Irgendwann sagte er: „Die Zeit ist abgelaufen. Du musst wieder gehen.“ - „Wohin?“ - „Zurück, deine Mam braucht dich, Basti auch. Schau wie sie im Gang auf eine positive Antwort warten.“ Neben mir erschien ein Bild. Meine Hand presste ich gegen meine Lippen. 'Sie sehen so verletzt aus...'
„Es war schön, dich getroffen zu haben! Pass auf deine Mutter gut auf!“ Ich lächelte meinem Dad zu. „Mach ich, ganz bestimmt!“ - „Sag ihr, dass ich sie über alles liebe. Ich beschütze euch. Ich werde immer da sein, wenn ihr mich braucht, auch wenn ihr mich nicht sehen könnt. In euren Herzen werde ich immer bleiben.“
Nun war eine Tür neben mir. „Danke. Jetzt weiß ich, was vorgefallen ist...“ Noch einmal umarmten wir uns. „Geh schon, sonst kommst du dahin, wo ich jetzt auch zurückkehren muss.“ Ich lief auf die weiße Tür zu. Ich drehte mich um, sah sein Grinsen. Das ganze Bild, was ich noch vor paar Sekunden sehen konnte, verschwamm.

'Piep, piep, piep, piep...'
Ich öffnete meine Augen. Viele Ärzte mit Mundschutz- und Kopfbedeckungen sahen mich an. „Wir haben es geschafft!“, rief der Chefarzt. Ein Jubelschrei füllte den ganzen Raum. „Willkommen zurück!“

Kommentare:

  1. Boah du hast mich zum heulen gebracht :O
    so ein mega schöner teil ♥

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  2. Oh gott ://
    so schön geschrieben :s ich hatte Tränen in den Augen beim lesen einfach toll (:
    weiter soo :*

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  3. Boah ne man. Mir fehlen die Worte! Willst noch was wissen? Genau! Ich kann nichts sagen! Du Arschkuh, der Teil ist so geil man! Mir stehen die Tränen in den Augen, damit du es weißt warum ich so geschaut hab! Aber zum Glück ist das Ende wenigstens gut! Sonst hätte ich dich gehauen! ;P Man schreib weiter! Wie geht es weiter! :O <3 :*

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  4. scheiße man! :X
    alter ich saß die ganze zeit da mit offenem mund und hatte echt tränen in den augen!
    ihr bringt mich alle zum weinen !
    waaaaaah :'((
    oh gott..scheiße fuck schnell weiter!!! :* ♥

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  5. Oh man soo schön, ich hatte Tränen in deb Augen *.*
    Aber es geht jaa zum Glück gut aus ;)
    Echt toll *.* schnell weiter soo <3

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  6. wow mega geiler teil wirklich <3
    ich weiß gar nicht was ich dazu schreiben soll das ist einfach so wunderschön :)

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  7. OH MEIN GOTT!!!! ich musste flennen wie ein kleines kind!! :o

    schreib schnell weiter!! :**

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  8. Hallo ich finde deinen Blog echt toll, und hoffe das du weiter schreibst.
    Vielleicht könntest du dir meinen Blog ansehen, Ich schreibe eine Story über Basti:)
    Und wenn er dir gefällt ein Mitglied bei mir werden?

    PS: Anschauen lohnt sich:)
    Hier der Link: http://bastifan.blogspot.de/
    LG Janina

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